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Sonntag 30. 05. 2010
Allgemein
von Murmel

Gogol Bordello -  Trans-Continental Hustle     Artist:  Gogol Bordello
    Album:  Trans-Continental Hustle
    Label:  Sony
    Release:  21.05.2010  
    Medium:  Album
    Genre:  Punk  
    Autor:  The Wendigo  

Gogol Bordello haben über die Jahre eine Die Hard-Fangemeinde erspielt, die ihren Helden total ergeben ist. Nicht ganz unverständlich, denn Eugene Hütz und seine 8 Mitstreiter machen das, was sie machen mit so viel Spaß, Freude, Herzblut, dass selbst komplett Genrefremde wie der Rezensent dieser Musik von der ersten Sekunde verfallen sind. Und wenn ein Industrial, Electro- und Gothichörer plötzlich Gogol Bordello mag, dann ist das in übertragenem Sinne auch 'transcontinental'.

Mit dem Albumtitel meinen Gogol Bordello aber natürlich etwas Anderes. Und dieses Andere macht 'Trans-Continental Hustle' zu der überragenden Scheibe, die sie ist. Die Bezeichnung 'Gypsy Punk' die wohl nur für Gogol Bordello erfunden wurde trifft nur noch bedingt zu. Neben der Vermengung von Punk, Ska und klassischer osteuropäischer Zigeunermusik bestimmen auf dem neuen Album auch südamerikanische Folkloreklänge das Bild.

Dadurch ist das Spektrum der Band auf einen Schlag um ein Vielfaches erweitert. Natürlich darf man jetzt nicht glauben, dass da plötzlich Steel Drum- Cocktailbarfeeling aufkommt, Gott bewahre. Aber die richtig guten Elemente der brasilianischen Musik - wie zum Beispiel fast Buena Vista Social Club-mäßige Gitarren beim wunderschönen 'Sun is On My Side' - hat Eugene Hütz verwertet und perfekt in die Wildheit des vorhandenen Stiles integriert. Ein Album, das transkontinentaler nicht sein könnte. Über all die Herumspringfolklore sind die Punkelemente übrigens so kurz gekommen wie noch nie bei Gogol Bordello, und das tut der Musik wahnwitzig gut. Viele akustische Gitarren zwischen langsam und rasend schnell, der absolute Gipfel ist das sich bis zu einem lärmenden Finale steigernde 'When Universes Collide'. Natürlich gibt es jede Menge der klassischen Rausschmeißer zum Durchdrehen wie 'My Companjera', und jeder einzelne davon ist so eingängig und ohrwurmhaft wie kaum einer der älteren Songs, aber richtig spannend wird es eben durch die vielen verschiedenen Dinge, die Hütz so genial kombiniert, dass man meint, Osteuropa und Südamerika lägen direkt nebeneinander.

Außerdem ist dieses Album ein unglaubliches Beispiel dafür, wie sehr die Auswahl des Produzenten die Richtung eines Albums bestimmen kann. Die auf den ersten Blick vollkommen unpassende Wahl von Rick Rubin, der Slayer und Johnny Cash veredelt hat, hebt dieses Album auf ein vollkommen neues Level. Er zwang die Band, mehr auf ihr Songwriting zu achten, und nicht darüber nachzudenken, die hemmungslosen Ausschweifungen der Liveauftritte in ein reguläres Album zu integrieren. Waren viele der alten Gogol Bordello - Alben häufig zu konfus, zu sehr auf Liveumsetzbarkeit getrimmt und dementsprechend zu hektisch, trifft 'Trans-Continental Hustle' auch vom Songwriterischen her ins Schwarze. Zum ersten Mal ist ein Gogol Bordello - Album besser als ein Liveauftritt der Band. Und das ist bei einer so unfassbar guten Liveband ein ganz großes Kunststück.

Natürlich sollte jeder, der folkloristische Musik jeder Art kategorisch ablehnt , immer noch einen Bogen um die Band machen. Alle, die skeptisch, neutral oder offenherzig, aber unwissend sind, sollten sich 'When Universes Collide' zu Gemüte führen und werden danach garantiert der Band verfallen. Alle werden erleuchtet. Wetten?

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Donnerstag 27. 05. 2010
Allgemein
von Murmel

Judas Priest -  British Steel 30th Anniversary Edition     Artist:  Judas Priest
    Album:  British Steel 30th Anniversary Edition
    Label:  Columbia / Sony Music
    Release:  07.05.2010  
    Medium:  Album
    Genre:  Metal  
    Autor:  Philip  

Wenn man eine Liste der besten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten kompiliert, darf dieses Album auf keinen Fall fehlen. Zweifelsohne ist 'British Steel' ein absolutes Meisterwerk des Genres. Zum 30jährigen Jubiläum wird der Klassiker von Judas Priest neu aufgelegt, und zwar in erweiterter Ausführung. Neben dem Originalalbum von 1980 enthält die Anniversary Edition je nach Version eine Live-DVD bzw. zusätzlich noch eine Live-CD vom selben Konzert.

Über die Genialität des sechsten Studioalbums der Briten muss nicht mehr viel gesagt werden. Publikumslieblinge wie 'Metal Gods', 'Breaking The Law' und 'Living After Midnight' sind aus der Setlist nur noch selten wegzudenken. Doch im Schatten dieses Songtrios stehen weitere Juwelen, vor allem das brutale 'Rapid Fire', die Stimmungshymne 'United', der lässige Rocker 'Grinder' und das coole 'You Don't Have To Be Old To Be Wise'.

Das Album vereint in seinen 36 Minuten Laufzeit fantastisches Sonwriting mit geballter Riffgewalt. Das makellose Werk ist frei von Füllmaterial, wurde nun aber seltsamerweise um den unpassenden Bonustrack 'Red, White & Blue' ergänzt, der ursprünglich 1985 für 'Turbo' aufgenommen wurde, sich auch danach anhört und deshalb überhaupt nicht dazu passt. Die '84er Live-Version von 'Grinder' passt da schon eher. Dass diese in der Long Beach Arena aufgenommen wurde, verschweigt das Booklet aus unerklärten Gründen.
(nicht zu verwechseln mit der kalifornischen Filmhochburg). In der Seminole Hard Rock Arena gab die Band 'British Steel' in seiner Gesamtheit und in chronologischer Reihenfolge zum Besten. Großartig sind die Performances von Setlist-Raritäten wie 'United' oder 'You Don't Have To Be Old To Be Wise'. Dabei präsentiert sich vor allem Rob Halford ('Breaking the what?') in bestechender Form für sein Alter.

Der Metalgott schreit sich geradezu die Seele aus dem Leib, vor allem bei 'Victim Of Changes' und 'The Ripper', zwei von sieben weiteren Songs, die im Anschluss an 'British Steel' gespielt wurden. Der Auftritt ist makellos. Schade nur, dass das Bild mit dem Ton nicht mithalten kann. Die helle Beleuchtung und das damit verbundene sterile Bild, das an TV-Übertragungen erinnert, werden dem Jubiläum nicht gerecht. Das haben Judas Priest mit ihren letzten beiden Live-DVDs zwar eindeutig besser gemacht.

Die 'blutige' Überarbeitung oder Weiterentwicklung des Artworks von 'British Steel' kann man als gelungen bezeichnen. Für das Booklet gilt das, zumindest in der Standardausgabe, nicht. Die Liner-Notes sind kurz, die Infos mangelhaft. Doch für wahre Fans ist ohnehin die erweiterte Version Pflicht. Im schicken Pappschuber enthält der mehrfach aufklappbare Digipak zusätzlich die CD-Version des Florida-Konzerts. In der Summe ergibt das eine gelungene Jubiläumsausgabe eines großartigen Albums, deren leichte Schönheitsfehler den Genuss kaum beeinträchtigen können.

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Samstag 22. 05. 2010
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von Murmel

Rhapsody Of Fire -  The Frozen Tears Of Angels     Artist:  Rhapsody Of Fire
    Album:  The Frozen Tears Of Angels
    Label:  Nuclear Blast
    Release:  30.04.2010  
    Medium:  Album
    Genre:  Powermetal  
    Autor:  The Wendigo  

Rhapsody Of Fire sind im Augenblick wohl die größte Power Metal Band, die es gibt. Früher waren das mal Helloween oder Blind Guardian, zwischendurch mal Manowar - aber heute sind die unbestrittenen Könige des bombastischen Fantasy Metal ganz eindeutig die Italiener, egal ob nun als Rhapsody oder als Rhapsody Of Fire.

'The Frozen Tears Of Angels' ist das Meisterstück ihrer Karriere. Nicht, dass die Band bisher schlechten klischeebeladenen Metal mit rosa Drachen und anderem Flattervieh gemacht hätten. Nur ist das neue Album so perfekt inszeniert, dass selbst die älteren Highlights der Band wie schnöde Versuche wirken. Die Balance zwischen rasendem Doublebass, dem grandiosen Gesang, den orchestralen, bombastischen Parts, den epischen, barocken Chören und den harten Gitarren klang noch nie so ausgewogen wie heute.

Rhapsody Of Fire haben all den Klischees, die die Metalszene seit beginn der 80er Jahre mit sich herumgeschleppt hat, neues Leben eingehaucht. Man kann in Kitsch, triefenden Gitarrensoli, Bombast, peinlichen Texten über Drachen, Einhörner, Engel und Männern in strahlenden Rüstungen mit langen Schwertern sowie Zauberern mit spitzen Hüten und explodierenden Feuerbällen endlich wieder so huldigen, wie sie es verdienen: auf Knien. Oh Rhapsody Of Fire, wir sind unwürdig!

Die Metalgottgleichheit, mit der Luca und seine Mannen hier in die Schlacht gegen modernen Metal reiten, sucht seinesgleichen. Es bringt nichts, den einen oder anderen Song herauszugreifen; das gesamte Album steht und fällt als Einheit. Es fällt bloß nicht, sondern steht wie ein aus Rotgold und Stahl geschmiedeter Argonath und läßt niemanden an sich vorbei. Musikalisch und technisch auf noch höherem Niveau als früher stehen Rhapsody Of Fire mit diesem Album dort, wo Manowar sein wollen. Im Olymp des Fantasy Metal. Da helfen die neuen, auflockernden Elemente wie das plötzliche schwarzmetallische Gehacke bei 'Reign Of Terror' nur zusätzlich mit. Und das ist auch eine der interessanten Sachen an der Band: Sie schafft es trotz des 80er Jahre Bombastes nie veraltet zu klingen. Geiler Metal ist eben zeitlos!

Natürlich wird es einen Riesenhaufen an Metallern und Freunden harter Musik geben, die Rhapsody Of Fire einfach nur peinlich finden. Und vielleicht haben sie recht. Aber jeder Mensch auf der Welt hat etwas, dass er einfach total genial findet, obwohl er weiß, dass es eigentlich peinlich ist. Objektiv von den handwerklichen Fähigkeiten gesprochen kann man diese Musik nicht besser machen. Perfektion klingt wie das, was die Italiener hier machen.

Ob man das nun mag oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Aber vergesst mal politisch motivierte Weltverbesserer, vergesst Satanisten, Kirchenhasser und anderes böses Gekreuch, vergesst Wollmützen, Caps und dummes Herumgerappe vor metallischem Hintergrund. Augen zu, Schwerter raus, die Rüstung poliert und ab in den immerwährenden epischen Kampf zwischen Licht und Dunkel, Gut und Böse. Lediglich die armen Menschen ohne jede Fantasie werden das nicht verstehen. Mein Beileid an diese, und jetzt ab dafür!

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Donnerstag 13. 05. 2010
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von Murmel

EXODUS -  Exhibit B: The Human Condition     Artist:  EXODUS
    Album:  Exhibit B: The Human Condition
    Label:  Nuclear Blast
    Release:  07.05.2010  
    Medium:  Album
    Genre:  Thrashmetal  
    Autor:  Antal  

Thrash Metal lebt! Von Anthrax mal abgesehen, die seit der hervorragenden 'We've Come For You All' 2003 fast alles falsch gemacht haben, was man falsch machen konnte, liefern die großen Namen der Szene seit Jahren beständig gute Alben ab. Seien es die großen Nummern wie Slayer und Megadeth (und sogar wieder Metallica mit der guten 'Death Magnetic'), die 'zweite Riege' wie Testament, Overkill, Kreator, Heathen, Annihilator, Nachwuchstalente wie Gama Bomb, Suicidal Angels und Evile oder Black/Thrash Metal-Bastarde wie Aura Noir, Hellish Crossfire, Deströyer 666 und Ketzer. Man konnte sich über Qualitätsware, die gleichermaßen den 80er Spirit atmet wie auch dem Genre neue Impulse verleiht, wahrlich nicht beklagen.

Seit der Comeback-Scheibe 'Tempo Of The Damned' von 2004 haben auch Exodus einen Lauf, der mit 'The Atrocity Exhibition... Exhibit A' vor zweieinhalb seinen Höhepunkt fand. Vorläufiger Höhepunkt muss man sagen. Denn der Nachfolger 'Exhibit B: The Human Condition' steht dem von Fans wie Kritikern umschwärmten Vorgänger in nichts nach. Ja, man kann sogar vorsichtig behaupten, Exodus hätten sich erneut gesteigert und 'Exhibit B' sei noch einmal zupackender, gewaltiger, Nackenmuskel strapazierender als Teil A. Wobei die Vorsicht nur der Stärke von 'Exhibit A' und der zu diesem Zeitpunkt (logischerweise) noch nicht sicher zu verifizierenden Langlebigkeit der neuen Scheibe geschuldet ist.

Ist aber auch egal, denn allein für sich betrachtet ist 'Exhibit B: The Human Condition' ein derart mächtiges und beeindruckendes Riff- und Groove-Feuerwerk geworden, dass man sich schon schwer wundern müsste, sollte es nicht in zahlreichen Jahresbestenlisten auftauchen. Gary Holt und Lee Altus packen ein knalliges Riff nach dem anderen raus, dass man sich fragt, wo sie die alle hernehmen. Denn übertrieben künstlerisch und technisch sind die Riffs und Licks nicht ausgefallen, sondern immer schön auf den Punkt und jederzeit Headbang-kompatibel vorgetragen. Auch die zahlreiche Leadparts driften - auch wenn sie gelegentlich recht ausufernd sind - niemals in unterkühlte Leistungsschau ab.

Stattdessen liefern Exodus ein Dutzend fein geschriebene und arrangierte Songs ab, die sich meist im Sieben-Minuten-Bereich bewegen, trotz dieser Länge aber zu jederzeit ein erstaunlich hohes Energielevel halten, so dass es niemals langweilig wird. So fällt es kaum auf, dass nach den ersten beiden Songs 'The Ballad Of Leonard And Charles' (wobei das einzig balladeske das Akustikgitarren-Intro ist) und 'Beyond The Pale' schon eine Viertelstunde Thrash-Attacke hinter dem Hörer liegen. Mit 'Hammer And Life' sowie 'Burn, Hollywood, Burn' beweisen Exodus, dass sie immer noch kurze Songs schreiben können. Doch anno 2010 haben die Herren aus Kalifornien wohl einfach zu viele Riffs und Rhythmusideen im Köcher, als dass man sich mit Dreieinhalbminütern einrichten könnte. Aber wie gesagt: wenn das so dicht, mitreißend und eierpackend inszeniert wird wie auf 'Exhibit B' soll es uns sehr recht sein!

Da ich nun bereits die Riff-Götter Holt und Altus lobpreiste, wäre es unfair, die anderen Mitstreiter zu ignorieren. Tom Hunting groovt hinter den Kesseln wie Sau und hält den Laden brillant zusammen während Jack Gibson einen engmaschigen Bassteppich knüpft, auf dem sich die hektischen und scharfkantigen Gitarrenriffs erst so richtig entfalten können. Und Fronter Rob Dukes wird zwar niemals 'everybody's darling' werden, setzt aber mit seiner perfekt zum Sound passenden, schön angepisst klingenden Performance das i-Tüpfelchen auf ein klasse Album.

Thrash Metal lebt und 'Exhibit B' ist eine weitere Adrenalinspritze direkt ins Herz!

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Donnerstag 06. 05. 2010
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von Murmel

Pro-Pain -  Absolute Power     Artist:  Pro-Pain
    Album:  Absolute Power
    Label:  AFM
    Release:  07.05.2010  
    Medium:  Album
    Genre:  Hardcore  
    Autor:  Mitch  

Ein Jahr ist schnell vorüber. Uärch! Gar grässlich schmalzt er sich durch meine Gehörgänge, der einstige Megahit jener Chartstürmer der achtziger Jahre mit Namen Münchner Freiheit. Süße Klebrigkeit verkleistert mir die Ohrmuschel, Schwärze wogt vor meinen Augen, Übelkeit steigt in mir auf - nun hilft nicht einmal mehr Morphium. Dabei wollte ich doch lediglich eine banale, aber dennoch pfiffige Einleitung zu Papier bringen. Denn immerhin sind tatsächlich knapp zwölf Monate vergangen, seitdem uns Pro-Pain mit 'No End In Sight' erquickten. Und Gott sei Dank: 'Absolute Power', Nachfolger eben jenes elften Albums aus dem Hause der Qualbejaher, besitzt mehr als genug Dampf, um den widerwärtigen Ohrwurmmutanten der debilen Grinsetruppe aus Deutschlands bäuerlichster Großstadt ein für alle Mal der Hirnrinde zu verweisen.

Pro-Pain, die musikalische Vertonung einer zügellosen Massenschlägerei im Boxring, haben es sich zu einem relativ frühen Zeitpunkt ihrer mittlerweile doch langlebigen Karriere angewöhnt, Alben im Jahres- oder Zweijahrestakt auf den Markt zu schmeißen. Während ein Teil der Szene aufgrund vermeintlich stets wiederkehrender Schemata innerhalb der Soundgebilde verächtlich die Augen verdreht und angeblich ewig Altes im frisch aufgebrühten Gewand zu beklagen hat, jubiliert ein weitaus größerer Teil der hartmusikliebhabenden Gemeinde. Vollkommen zu Recht! Wer Progressivität in Form eines parallel zu Gitarre, Bass und Schlagzeug schief musizierenden Orchesters oder eines nach 25 lose gebundenen Säcken Dosenpfand klingenden Schlagzeugs schätzt, der ist bei den Herren Meskil, Klimchuk, Stephens und Halvorsen natürlich völlig fehl am Platz. Die Vier wissen glücklicherweise genau, wie man sich kontinuierlich weiterentwickelt, ohne die Marke 'Pro-Pain' zu lädieren. Indem man beispielsweise um wichtige Trademarks im Sound herum Kleinigkeiten integriert und so für Abwechslung sorgt, ohne gleich seinen kompletten Stil zu ändern. Man gönne sich einfach einen Abend lang die komplette Diskographie dieser Band, angefangen bei 'Foul Taste Of Freedom', bis hin zu 'Absolute Power'. Wer dann noch etwas von 'Kopie ihrer selbst' faselt, der hat auch Slayer nie gemocht.

'Absolute Power' jedenfalls beginnt, wie es sich für ein Pro-Pain-Album gehört. Mit einer schallenden Ohrfeige namens 'Unrestrained' und einem Fausthieb auf den Solarplexus ('Destroy Your Enemy'). Die Combo hat ihre Scheiben bis dato immer mit starken Nummern eröffnet, so auch hier. Vertonte Humorlosigkeit in Reinform, eruptiv, aggressiv, bedrohlich, in schnittiger beziehungsweise verschleppter Geschwindigkeit vorgetragen. Zwei satte Volltreffer, ideal, um in dieses Werk zu starten und den Fan auf Puls zu bringen. Ist dieser erst in stattliche Höhen getrieben, dürfte Mensch auch für den Rest des Albums gewappnet sein. Denn der hat es ebenfalls in sich. Auf kurze, prägnante Jabs wie 'Divided We Stand' und 'AWOL', welche punkig bis hardcorelastig aus der Ecke geschossen kommen, folgen mit melodiösem Gesang angereicherte und trotzdem ihre Härte bewahrende High und Low Kicks à la 'Road To Nowhere' oder 'Stand My Ground'. Für letzteres wurde eigens Destruction's Schmier in den Ring geschleift und zu Bestleistungen am Mikrofon motiviert. Herausragend inmitten dieser klangvolleren unter den brachialen Tracks ist mit Sicherheit 'Gone Rogue (I Apologize)', der vermeintlich inoffizielle Nachfolger der wohl ungewöhnlichsten Nummer auf 'No End In Sight', 'Go It Alone'.

Aber immer schön vorsichtig: Melodie bedeutet im Falle Pro-Pain nicht, im Schaukelstuhl Platz nehmen zu können und mit einem Kelch Batida in der Hand von den Stränden Hawaiis zu träumen. Der Kampf ist erst vorbei, nachdem 'Hell On Earth', 'Rise Of The Antichrist' sowie 'Hate Coalition' überstanden sind! Denn gerade auf erst- und letztgenanntem Song tobt sich Neuschlagzeuger Rick Halvorsen so dermaßen nach Lust und Laune aus, dass garantiert kein Auge ungeschwollen bleibt. Dieser Mann dürfte sich als Glücksgriff für Gary Meskil & Co. entpuppen, trommelt er doch zu jederzeit im Dienste der Sache, ohne dabei auf Ungehörtes und Unerhörtes zu verzichten.

Nach gut 37 Minuten ist der Kampf dann vorbei. Und was sagt der Ringrichter? Ein Album wie ein Roundhouse Kick im Fäustewirbel! 'Absolute Power' ist absolute Power, ist, mit Verlaub, bärenstark und alles andere als selbstverständlich nach dem etwas anderen 'No End In Sight'. Sicherlich wird der ein oder andere Pisepampel hier die Nase rümpfen und auf die Panzerdivision aus der Kaserne Marduk oder ähnliches verweisen. Aber bitte, dreißig Minuten Hypergeschwindigkeit hat doch nichts mit uneingeschränkter Kraft zu tun. Ob ich nun eine Platte voller Blastbeats auflege oder eine Schlüsselkette an den eingeschalteten Deckenventilator hänge, hat in etwa denselben Effekt.

Pro-Pain haben ihr Dutzend tatsächlich mit bedingungsloser Energie gefüllt. Eine Reminiszenz an beinahe alle ihre Veröffentlichungen, ohne sich dabei zu wiederholen, zu langweilen oder gar müde zu wirken. Satt produziert und immer einhundert Prozent. Auf 'Absolute Power' folgt ein starker Song dem Nächsten und aus der Masse an fantastischen Stücken ragen immer wieder einzelne besonders heraus. Dies dürfte mit Sicherheit eines der besten Alben in der Geschichte der Band sein.

So etwas verdient selbstredend die Höchstnote. Und zwar mit Marzipanfüllung.

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